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Zur Brustamputation von Angelina Jolie: "Diese Maßnahme kommt nur für ganz wenige Frauen in Betracht"

16.05.2013. Viele Frauen haben die Nachricht über die Brustamputation der US-Schauspielerin Angelina Jolie geschockt aufgenommen. Besorgt fragen sie sich, ob man zu einer so drastischen Maßnahme greifen muss, um sich vor Brustkrebs zu schützen. Dazu die beiden Programmverantwortlichen Screening-Ärzte, Dr. Toni Vomweg und Dr. Jochen, Experten auf dem Gebiet der Brustdiagnostik:

Dr. Jochen Schenk: “Angelina Jolie hat sich vorsorglich zu dieser Operation entschieden, da sie Trägerin eines erblichen Gendefekts ist und damit ein sehr hohes Risiko für eine Brustkrebserkrankung hatte. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass nur etwa fünf Prozent aller Brustkrebserkrankungen auf eine solche Genmutation zurück gehen. Was eine solche Genmutation betrifft, so kennt man bislang zwei maßgebliche Gene, das BRCA1 und BRCA2, die mutiert zu einem 80-90 prozentigen Brustkrebsrisiko sowie zu einem 45% erhöhten Risiko einer Eierstockkrebserkrankung führen. Darüber hinaus gibt es weitere weniger bekannte Genmutationen, die zum Teil noch gar nicht identifiziert werden können. Ein Indiz für eine solche Genmutation kann sein, dass Verwandte 1. Grades (Mutter, Schwester, Großmutter) gehäuft und bereits sehr jung (unter 40 Jahren) an Brustkrebs bzw. Eierstockkrebs erkrankten.

Spezielle Beratungsstellen können zu Rate gezogen werden

In einem solchen Fall empfiehlt sich auf alle Fälle das Gespräch mit dem Gynäkologen oder einem Arzt des Vertrauens. Sollten sich hier Anhaltspunkte für eine mögliche Genmutation ergeben, können spezielle Beratungszentren zu Rate gezogen werden, die mittels einer Analyse des familiären Risikos und evtl. eines Gentests Klarheit bringen können. Die Krebsgesellschaft hilft hier gerne mit Adresse der nächstgelegenen Beratungsstelle weiter.

Die Entscheidung einer vorsorglichen Brustamputation ist im Einzelfall in enger Abstimmung mit einem Brustzentrum zu treffen. Nach der Entnahme des Brustdrüsengewebes wird die Brust wieder mit einem Implantat aufgebaut. Danach liegt das Risiko an Brustkrebs zu erkranken nur noch bei etwa 5 Prozent. Vor der Operation entscheidet die Patientin gemeinsam mit dem Arzt, ob die Brustwarze erhalten bleiben soll. Bei einem Erhalt der Brustwarze muss auch ein Teil der Brustdrüse erhalten bleiben, womit sich das Risiko für Krebs wieder leicht erhöht. Auch die Entfernung der Eierstöcke und Eileiter kann in diesen Fällen sinnvoll sein, weil durch diese Maßnahme nicht nur das Risiko eines Eierstockkrebses, sondern auch das Risiko einer Brustkrebserkrankung deutlich gesenkt werden kann.

Eine vorsorgliche Entfernung des Brustdrüsengewebes ist ein gravierender Eingriff und kommt in jedem Fall nur für ganz wenige Frauen mit einem sehr hohen Erkrankungsrisiko in Betracht. Die Mehrzahl der Frauen mit einem durchschnittlichen oder gering erhöhten Brustkrebsrisiko sollten die heute sehr guten, sicheren und schonenenden Möglichkeiten der Brustkrebsfrüherkennung mittels Ultraschall, Mammographie oder Kernspintomographie nutzen. durch eine engmaschige Kontrolle und ein intensives Früherkennungsprogramm lassen sich Brustkrebserkrankungen oder gar Vorstufen sehr früh feststellen und damit gut behandeln und vielfach heilen. Auch mit einer medikamentösen Behandlung kann bei entsprechender Indikation einer Brustkrebserkrankung vorgebeugt werden.”

Screening gehört zu den empfohlenen Früherkennungsmaßnahmen

Dr. Toni Vomweg verweist in diesem Zusammenhang auf die empfohlenen Maßnahmen der Brustkrebsfrüherkennung, die sich bei allen Frauen nach ihrem individuellen Risiko richten:

Allen Frauen wird ab dem 30. Lebensjahr die Abtastung der Brust im Rahmen der gynäkologischen Vorsorge und die Selbstuntersuchung empfohlen.

Alle Frauen ohne relevante Risikokonstellation, d.h. ohne eine erstgradig Verwandte mit Brust- oder Eierstockkrebs, wird dann ab dem 50. Lebensjahr zusätzlich die regelmäßige Teilnahme alle zwei Jahre am bundesweiten Mammographie-Screening-Programm empfohlen.

Frauen mit einem erhöhten familiären oder eigenen Risiko, beispielsweise durch eine erstgradig Verwandte mit Brust oder Eierstockkrebs, sollten individuell durch den Frauen- und Hausarzt zu entsprechenden Untersuchungen (Mammographie, Ultraschall) überwiesen werden. Hier wird eine Mammographie dann häufig auch jährlich angeordnet.

Frauen mit einem zu vermutenden hohen Risiko sollten in einem entsprechenden genetischen Beratungszentrum vorgestellt werden. Dort wird dann ein individuelles Früherkennungskonzept festgelegt.

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