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Interview der Rhein-Zeitung (Koblenz) vom 08.10.2013 mit Fürstin Gabriela zu Sayn-Wittgenstein-Sayn, der Schirmherrin des Mammographie-Screening-Programms Mittelrhein, zur Brustkrebsfrüherkennung und ihren eigenen Erfahrungen

Brustkrebs: Keine Angst vor der Mammografie

Wie oft waren Sie bereits selbst beim Screening? Was sind Ihre Erfahrungen?

Ich gehe regelmäßig alle zwei Jahre zur Brustkrebs-Früherkennungsuntersuchung, weil ich diese für uns Frauen für sehr wichtig halte. Wäre ich selbst nicht davon überzeugt, hätte ich die Schirmherrschaft nicht übernommen. Es ist nicht selbstverständlich, dass es, wie bei uns, ein Programm gibt, bei dem die Frauen einen Anspruch auf eine regelmäßige Mammographie-Untersuchung haben. Vor Einführung des Screenings wurde eine Mammographie nur bei ärztlich begründetem Verdacht von der Krankenkasse bezahlt.
Ich selbst weiß, wieso ich eine Mammographie-Untersuchung machen lasse, deshalb nehme ich die etwas unangenehme Untersuchung gerne hin und möchte bei allen Frauen werben, diese auch für den kurzen Zeitraum der Untersuchung, die insgesamt nur etwa drei Minuten dauert, für sich und ihre Gesundheit auszuhalten.

Können Sie sich noch an Ihre erste Screening-Untersuchung erinnern? Hatten Sie davor Angst?

Ich kann mich an meine erste Mammographie-Untersuchung erinnern, die schon einige Jahre zurückliegt, und vor der ich in der Tat etwas Angst hatte – die Apparatur bereitete mir Unbehagen und natürlich war mir vor dem Ergebnis bange. Nach mehreren Mammographie-Untersuchungen habe ich für mich die Erfahrung gemacht, dass eine angenehme, freundliche Atmosphäre den Untersuchungs-Stress abbaut. Ich finde es außerdem sehr wichtig, dass man den Frauen mit Würde begegnet und sie mit ihren Fragen und Ängsten ernst nimmt. Das aufklärende Gespräch kann enorm helfen, eine positive Einstellung zur Untersuchung zu finden.

Kritiker bemängeln, dass Frauen beim Screening einem unnötigen Strahlenrisiko ausgesetzt werden, das in keinem Verhältnis zu den Vorteilen der Früherkennung steht. Was sagen Sie zu dieser Kritik?

Ich habe genau diesen Punkt mit den verantwortlichen Screening-Ärzten diskutiert, da ich diesbezüglich auch gewisse Vorbehalte hatte. Von ihnen erfuhr ich, dass die Strahlenempfindlichkeit mit zunehmendem Alter abnimmt und in der Altersgruppe ab 50 Jahren wohl so niedrig ist, dass die Vorteile der Früherkennung das Strahlenrisiko auf jeden Fall überwiegen. Hinzu kommt, dass die digitale Mammographie, die man heute beim Screening einsetzt, deutlich strahlungsärmer ist als die herkömmliche, “alte” analoge Mammographie.

Angelina Jolie und zuletzt die Sängerin Anastacia haben sich beide Brüste abnehmen lassen, weil sie Angst vor Brustkrebs haben. Können Sie diese Entscheidung nachvollziehen?

Als Frau kann ich die Angst vor Brustkrebs nachvollziehen, vor allem wenn dieser in der Familie gehäuft vorkommt. Sich deshalb vorsorglich die Brüste abnehmen zu lassen, empfinde ich jedoch als eine sehr extreme Entscheidung. Inwieweit eine solche Maßnahme medizinisch sinnvoll und notwendig ist, kann ich nicht einschätzen. Aus Gesprächen mit Ärzten weiß ich jedoch, dass eine vorsorgliche Brustamputation nur in seltenen Fällen, wenn die Frau ein sehr hohes Krankheitsrisiko hat, eine Option ist. Selbstverständlich sollte dies in enger Abstimmung mit den Spezialisten erfolgen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Frauen diesem Beispiel folgen, ohne dass es wirklich nötig ist.

Aus Ihrer Erfahrung als Schirmherrin: Was bedeutet die Diagnose Brustkrebs für eine Frau?

Ich habe vor Jahren in der eigenen Familie erleben müssen, was die Diagnose Brustkrebs bedeutet. Es war ein Gefühl von Angst und Ohnmacht, vor allem da der Krebs zu spät erkannt wurde und es keine Heilung gab. Durch meine Arbeit für das Mammographie-Screening-Programm habe ich erfahren, dass über 80 Prozent der im Screening gefundenen Brusttumoren noch in einem kleinen Stadium sind. Früh erkannter Brustkrebs kann heute mit modernsten Methoden behandelt werden und ist meist heilbar. Das, finde ich, ist eine großartige Botschaft für die Frauen, die auch die Angst vor der Diagnose nehmen kann.

Wie können aus Ihrer Sicht mehr Frauen dazu bewegt werden, zur Mammografie zu gehen?

Eine gute Aufklärungsarbeit steht für mich an erster Stelle. Und dazu sollten durchaus verschiedene Wege genutzt werden: Medien, Internet, das persönliche Gespräch – eben Wege, mit denen die Menschen erreicht werden können. In Gesprächen mache ich häufig die Erfahrung, dass gut informierte Frauen zum Screening gehen, weil sie aus Überzeugung die Früherkennungsuntersuchung für sich und ihre Gesundheit nutzen. Leider halten sich bei manchen Frauen aber immer noch hartnäckige Vorurteile wie z.B. dass das Quetschen bei der Untersuchung der Brust schade oder dass die Strahlenbelastung einer Mammographie zu gefährlich sei. Hier darf man nicht nachlassen, mit sachlichen Informationen aufzuklären. Aus Erfahrungen in meiner Familie habe ich gelernt, wie wichtig Vorsorge ist, dass ein zu spätes Erkennen tödlich sein kann und ein rechtzeitiges Erkennen Leben rettet. Deshalb werbe ich nicht nur in der Familie für das Screening.

Das Einladeverfahren ist beim Brustkrebs bereits sehr erfolgreich. Sollte es ein solches Verfahren aus Ihrer Sicht auch bei anderen Krebsarten wie Darm- oder Prostatakrebs geben?

Eine konkrete Einladung zu einer Früherkennungsuntersuchung ist, soweit ich dies beurteilen kann, ein sehr gutes Mittel um die Teilnahme zu erhöhen. Das zeigt sich beim Mammographie-Screening. Da zählen Ausreden wie „zu welchem Arzt soll ich gehen“, „ich habe keine Zeit, mich darum zu kümmern“ oder „mache ich vielleicht später“ nicht mehr.

Männer sind ausgesprochene Vorsorgemuffel. Woran liegt das aus Ihrer Sicht? Wie lässt sich das ändern? Wie bewegen Sie Ihren Mann dazu, zur Krebsvorsorge zu gehen?

Ich glaube, Frauen haben meist eine bessere Wahrnehmung von sich selbst, gehen achtsamer mit sich um. Dagegen ist das Bild vom ‚starken Mann‘ vielleicht immer noch sehr bei den Männern verwurzelt. Eine Früherkennungsuntersuchung, die evtl. eine Krankheit aufdecken könnte, passt bei Männern deshalb nicht so in dieses Bild. Ich glaube, hier müsste mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden, denn Vorsorge für die eigene Gesundheit hat nichts mit Schwäche zu tun. In unserer Familie werbe ich sowohl bei meinem Mann als auch bei meinen Söhnen Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen wahrzunehmen. Auch wenn es anfänglich nicht so ernst genommen wurde, bin ich froh, dass alle in der Zwischenzeit davon überzeugt sind, dass jeder für sich und seine Gesundheitsvorsorge verantwortlich ist.

Die Fragen stellte Christian Kunst, Rhein-Zeitung