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8 Jahre Mammographie-Screening Mittelrhein: Zur Mammographie gibt es keine Alternative, wenn wir den Brustkrebs früh finden wollen

Ca. 280.000 Mal haben Frauen seit 2007 am Früherkennungs-Programm teilgenommen - Bessere Prognose durch Screening

Vor acht Jahren, im Sommer 2007, ging das Mammographie-Screening-Programm in der Region Mittelrhein an den Start. Ca. 280.000 Mal haben Frauen seither an dem Früherkennungsprogramm teilgenommen; sei es in einem der Screening-Zentren in Koblenz, Mayen oder Betzdorf oder im Mammographie-Screening-Bus, der im ländlichen Raum im nördlichen Rheinland-Pfalz zum Einsatz kommt. Rund 2.200 Brustkrebserkrankungen oder Vorstufen davon wurden bei diesen Untersuchungen seither entdeckt.

Mit dem Brustkrebs-Früherkennungsprogramm wurde im Kampf gegen Brustkrebs in den acht Jahren viel erreicht. Das sehen vor allem die beiden Programmverantwortlichen Ärzte des Screening-Programms Mittelrhein, Dr. med. Toni Vomweg und Dr. med. Jochen Schenk. Im Schnitt finden sie und ihre Kollegen täglich ein bis zwei Brustkrebserkrankungen bzw. Vorstufen davon. Eine Auswertung der letzten drei Jahren zeigt, dass in etwa 85 Prozent dieser Fälle eine Vorstufe oder ein kleiner Tumor ohne Befall der Lymphknoten und ohne Metastasen entdeckt werden konnte. Befunde, die noch nicht tastbar und deshalb in einem sehr frühen Stadium sind.

Thema Überdiagnosen

Gerade die früh erkannten Krebsvorstufen brachten das Früherkennungsprogramm im vergangenen Jahr jedoch in die Diskussion. Denn hierunter können sich auch Brustkrebserkrankungen befinden, welche die Patientin zu Lebzeiten nicht mehr bemerkt hätte, die durch das Screening jedoch gefunden, operiert bzw. therapiert werden. „Diese Überdiagnosen gibt es, sie schmälern den gesamten Nutzen des Screening-Programms jedoch nur gering“, erklären Dr. Jochen Schenk und Dr. Toni Vomweg.

Eine aktuelle Auswertung der Daten der Krebsregister zeige, so die beiden Radiologen, dass der Anteil der Überdiagnosen im Mammographie-Screening vermutlich zwischen einem und zehn Prozent der diagnostizierten Karzinome liegt (vgl. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 112, Heft 11, 13.03.2015). „Das heißt, wir finden unterm Strich viele Mammakarzinome eben wesentlich früher, in einem Stadium, wo der Krebs schonender behandelt und vielfach geheilt werden kann. Nur einen kleinen Teil davon hätten die Frauen nicht mehr erlebt“, unterstreicht Dr. Schenk. Der Anteil an Überdiagnosen von ein bis zehn Prozent sei weit geringer, als zuvor von Kritikern geschätzt.

Den Brustkrebs so früh wie möglich finden

„Da wir bei der Entdeckung nicht vorhersagen können, welcher der Tumoren in diese Kategorie fällt, bleibt kaum etwas anderes übrig, als alle Anstrengungen zu unternehmen, jeden Brustkrebs so früh wie möglich zu finden“, macht Dr. Toni Vomweg deutlich. „In Deutschland werden wir noch vier, fünf Jahre brauchen, um anhand der Datenlage den Einfluss des Programms auf den Rückgang der Brustkrebssterblichkeitsrate messen zu können, wie dies in Holland mit einer Screening-Laufzeit von 30 Jahren bereits belegt werden konnte. Dennoch können wir schon jetzt sagen, dass die Frauen durch das Brustkrebs-Screening eine bessere Prognose haben“, ein Fazit, das der Radiologe durch seine tägliche Arbeit bestätigt sieht.

Mit einer Teilnahmequote von ca. 60 Prozent (über die letzten Jahre im Durchschnitt errechnet) nimmt ein großer Teil der Frauen im nördlichen Rheinland-Pfalz die Einladung zur Screening-Mammographie für sich in Anspruch. Für viele Frauen zwischen 50 und 69 Jahren ist es in der Region mittlerweile zur Selbstverständlichkeit geworden, alle zwei Jahre zur Screening-Untersuchung zu gehen. So zeigt die Statistik, dass etwa 90 Prozent der Frauen, die einmal am Screening teilgenommen haben, regelmäßig wiederkommen.

Die Mammographie ist ohne Alternative

Verschiedene Faktoren können zwar zur Brustkrebs-Vorsorge beitragen, in erster Linie körperliche Aktivität und Sport, das Vermeiden von Übergewicht, Schwangerschaften und längere Stillzeiten, eine gesunde Ernährung sowie der Verzicht auf Alkohol. Doch Brustkrebs ist immer noch die häufigste Tumorerkrankung, von der jede achte Frau im Laufe ihres Lebens betroffen ist. „Zum heutigen Zeitpunkt gibt es noch keine Alternative zum Mammographie-Screening, wenn wir einen Brustkrebs in der Altersgruppe 50 bis 69 Jahre in einem frühen Stadium finden wollen“, so das Fazit der beiden Radiologen nach 8 Jahren Mammographie-Screening Mittelrhein.